Anja WittenbergerAnja Wittenberger arbeitet als Social Collaboration Consultant bei der Communardo Software GmbH und begleitet Weiterentwicklungen von Intranets und kollaborativen Arbeitsumgebungen. Dabei liegt ihr Schwerpunkt in der strategischen Beratung, der Bedarfsanalyse und der Konzeption von Anwenderszenarien in Anwendung von partizipativen Workshopdesigns. Mit ihrem beruflichen Hintergrund vom Design über Konzeption interaktiver Anwendungen, Prozessoptimierung bis hin zur Kommunikation ergänzt durch eine hohe Technikaffinität zu aktuellen IT-Entwicklungen ist sie als Generalist gut gerüstet. Gerade diese crossfunktionalen Kompetenzen sind notwendig für die Einführung von Social Collaboration. Um den damit verbundenen Wandel zu einem Social Business zu meistern, bedarf es zudem eines aktiven Change Managements, welches Anja Wittenberger mit ihren Beraterkollegen ausgestaltet und umsetzt.

1. Frau Wittenberber, Sie sind Teilnehmer der ECM World in einer Diskussionsrunde zum Thema Social Collaboration. Welche drei Schlagworte charakterisieren Ihrer Meinung nach insbesondere im Kontext von ECM und Geschäftsprozessen das Thema Social Collaboration?

Integration – Agile Zusammenarbeit – Social Layer

2. Unternehmen setzen oft seit vielen Jahren auf strukturierte Abläufe, definierte Zuständigkeiten und feste Hierarchien. Warum sollten Unternehmen auf die stark netzwerkgeprägte Social Collaboration setzen?

Definierte Abläufe und Verantwortlichkeiten erhöhen die Effizienz, wenn Dinge nahezu immer gleich laufen und Sonderfälle die Ausnahme sind. Die zunehmende Komplexität in nahezu allen Arbeitsbereichen von White Collar-Workern lässt die Ausnahme immer mehr zur Regel werden.

Social Collaboration und die Arbeit im Netzwerk erlaubt es, schnell die notwendigen Experten zusammenzubringen. So scheitert man nicht an den Grenzen, die durch festdefinierte Kommunikationswege und Silos vorhanden sind. Natürlich sollte man nur dort verbessern und vernetzen, wo funktionsorientierte Prozesse und feste Struktur eher lähmen als schnell die beste Lösung zu bringen.

3. Ist Social Collaboration nur etwas für große Konzerne mit vielen internationalen Gesellschaften? Bei welchen Unternehmenskriterien ist der Einsatz von Social Collaboration auf den ersten Blick vielversprechend?

Nein, Social Collaboration kann überall dort Nutzen stiften, wo das Teilen von Wissen und die verteilte Zusammenarbeit von Teams unterstützt werden müssen, um dem Kunden den besten Service, das beste Knowhow oder die besten Produkte bieten zu können.

Dass Social Collaboration auch für den Mittelstand und kleine Unternehmen relevant ist, beweisen z.B. der Wandel zur kollaborativen Zusammenarbeit bei der Contas KG oder die Collaboration-Plattform bei der Joseph-Stiftung.

Nicht die Größe des Unternehmens ist entscheidend, sondern welche täglichen Herausforderungen, vor denen das Unternehmen in der Kommunikation und Zusammenarbeit steht, zu meistern sind, um gemeinsam mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden erfolgreich Geschäft zu machen. Und das ist der Grund, warum wird in unseren Projekten zu Beginn genau prüfen, ob und in welcher Form eine Social Collaboration-Initiative Nutzen stiftet und welche Anwendungsfallszenarien bei erfolgreicher Umsetzung ein entscheidender Hebel für das Geschäft sein können.

4. Was sind nach Ihrer Einschätzung die wesentlichen Faktoren für die erfolgreiche Einführung, Akzeptanz und Nutzung von Social Collaboration in Unternehmen?

  1. Konkrete Nutzungsszenarien mit einem klaren Businessnutzen machen die Effekte von Social Collaboration Prinzipien erlebbar und schaffen die Basis für die weitere Adoption im Unternehmen.
  2. Eine Strategie für die Kommunikation und Zusammenarbeit mit einer klaren Vision des Unternehmens schafft die strategische Verankerung des Vorhabens und verdeutlicht die Wichtigkeit der Initiative.
  3. Iteratives Vorgehen bei Plattformentwicklung und Einführung ermöglicht schnell Nutzererlebnisse und intensive Einbindung der Anwender durch kontinuierliche Feedback-Zyklen und vermeidet Überforderung durch zu viel Veränderung auf einmal.
  4. Eine Social Collaboration-Lösung, die einfach bedienbar ist, klar in der Anwendungslandschaft positioniert ist und mobil zur Verfügung steht, erleichtert dem Anwender den Umstieg auf eine digital vernetzte Zusammenarbeit.
  5. Digitale Führungskultur schaffen, indem Führungskräfte für die neue Rolle befähigt werden, nimmt die Angst vor dem „Kontrollverlust“ und ist Grundlage für eine wirkliche Veränderung der Zusammenarbeit.
  6. Kompetenzen entwickeln und interne Social Collaboration-“Mannschaft” aufbauen, um ein Lernen der Organisation zu ermöglichen und so den Wandelprozess zu gestalten.
  7. Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation, um die Erfolge bekannt sowie andere neugierig zu machen und den Sinn der Social Collaboration Initiative zu vermitteln.

5. Wo sehen Sie das größere Potential: Beim Ausbau von ECM-Lösungen hin zu “sozialer Interaktion” oder beim Ausbau von Social Collaboration-Lösungen zu mehr Dokument- und Prozess-Orientierung?

Es werden “Welten” miteinander verbunden, in denen sich die Mitarbeiter bewegen. Wenn wir es schaffen, die strukturierte Welt und die vernetzte, eher unstrukturierte und hoch dynamische Welt miteinander zu verbinden, wird die Integration in den Arbeitsalltag vereinfacht und die Adoptionsrate befördert. Dabei ist es kein Entweder-Oder. Ich sehe die Zukunft in einer Collaboration-Infrastruktur, die mittels Layern diese Welten verbindet und so für Anwender ein Nutzungserlebnis schafft, was Spaß macht :-).

6. Was sind Ihre Erwartungen für die ECM World?

Ich bin sehr gespannt, wie die ECM-Welt mit den Social Collaboration-Prinzipien umgeht und welche Lösungen ich hier entdecken darf. Ich freue mich auf den Austausch mit den Kollegen auf dem Panel und interessante Gespräche.

Vielen Dank für das Interview, Frau Wittenberger!

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Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.

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5 Gedanken zu „Anja Wittenberger im Interview zu Social Collaboration und ECM

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